Von der Kunst des Innehaltens

Wir kennen das sicherlich alle: diese vollgepackten Tage, bestehend aus Terminen, To Do’s und Verpflichtungen. Sicherheitshalber und für die Organisation schreiben wir alles nieder und rennen mit Zetteln durch die Gegend. Es fühlt sich zwar gut an, die Punkte schriftlich festzuhalten, weil wir sie so nicht vergessen. Aber manchmal macht uns das alles bloß irre. Denn auch wenn wir immer wieder durchstreichen: Es wird einfach nicht weniger!

Gern steht auf solchen Listen viel zu viel für einen Tag drauf. Auf meinen jedenfalls schon, auch wenn ich es eigentlich besser weiß. Das Ende vom Tag? Ein laues Gefühl, nicht genug geschafft zu haben.

So viel wir auch abhaken, die Aufgaben gehen einfach nicht aus. Ob immer wiederkehrende To Do’s wie Newsletter vorbereiten und verschicken, der wöchentliche Großeinkauf für die Familie, den Posteingang abarbeiten oder Wäsche waschen – ob singuläre Aufgaben wie Terminnachbereitungen, Urlaubsplanung, ein neues Projekt in die Wege leiten oder ein kaputtes Kleidungsstück nähen. Es gibt einfach IMMER etwas zu tun.

innehalten

Manches muss rasch erledigt werden, anderes könnte genauso mal liegen bleiben.
Aber unser innerer Antreiber schwingt die Peitsche. Wir machen uns selbst Druck.

 

Umgekehrt: Bei nur 2-3 ganz zentralen und realistischerweise an einem Tag zu bewältigenden Aufgaben, die wir am Ende abhaken können, folgt ein Hochgefühl.
Wahrnehmen
Was für ein Gefühl ist es WIRKLICH, am Ende des Tages stolz zu sein, die 2-3 Aufgaben von der persönlichen Liste erledigt zu haben? Ein berufliches Projekt erfolgreich abgeschlossen zu haben? Einen neuen Blogartikel veröffentlicht zu haben? Das Hotel im Wunschort für den Urlaub gebucht zu haben? Hier kannst Du beliebig Themen einsetzen, die Dich betreffen.

Genießt Du dieses erhebende, stolze Gefühl oder wandert Dein Blick sofort zum nächsten Vorhaben? Ich selbst muss hier viel zu oft auf schuldig plädieren …
Innehalten
Nach dem erfolgreichen Abschluss einer Aufgabe, eines Vorhabens, eines Projektes ist genau der richtige Zeitpunkt für das, was uns immer wieder im Tagesverlauf gut tun würde: INNEHALTEN.

 

„Innehalten und schauen. Darauf kommt es an. In jeder Situation.“

(Kiki Nelissen, Mindfulness-Therapeutin)

 

Dem Atem bewusst lauschen, die Gefühle beobachten, die da sind, die kommen und gehen, sich an dem erfreuen, was ist, was Du erschaffen hast. Innehalten verschafft uns einen Moment der Ruhe und erlaubt uns, Gefühle wahrzunehmen und uns selbst echte Wertschätzung entgegenzubringen.

 

Nur mit Momenten des Innehaltens: Innehalten
– kann sich wirklich setzen, was Du leistest.
– kannst Du Dein Bewusstsein schärfen.
– kannst Du wahrnehmen, wo die echten Prioritäten liegen.

Vielleicht zeigt sich dann sogar, dass die nächste Aufgabe gar nicht so wichtig oder sogar entbehrlich ist?

Manchmal ist es tatsächlich so, dass sich einzelne Aufgaben, die wir einfach mal liegen lassen, von selbst erledigen oder vielmehr ihre Relevanz verlieren.

Wenn wir nur schaffen, leisten, produzieren und erledigen, ohne ab und an innezuhalten, ohne zu reflektieren oder Abstand zu gewinnen und ohne bewusste Anerkennung, versinken wir im Morast der Verpflichtungen. Wir rennen unseren Aufgaben hinterher und damit uns selbst. Wir laufen schneller und das Hamsterrad nimmt Geschwindigkeit auf. Die Zeit rast und wir merken es gar nicht – oder erst dann, wenn es bereits ziemlich spät ist, schlimmstenfalls zu spät.

Was hat das für einen Sinn, wenn wir uns selbst vor lauter Gerenne aus den Augen verlieren und den Kontakt zu uns persönlich verlieren?

Was wir tun, hat einen Wert. Und der braucht Anerkennung – in erster Linie von uns selbst. Und dann natürlich auch von unserem Umfeld. Das hat rein gar nichts mit Arroganz, Egoismus oder überzogenem Selbstwertgefühl zu tun! Auch nicht mit dem Spruch „Eigenlob stinkt“. Ich finde die Anpassung von Gabriella Pahud in „Ichwärts“ sehr viel passender und absolut gerechtfertigt: „Eigenlob stimmt“.

Warum sollen wir denn erst auf Anerkennung von außen warten? Wenn wir etwas „Gutes“ geschaffen haben, ist es prima, sich zurückzulehnen, auf das Werk zu schauen, sich dessen bewusst zu werden und sich daran zu erfreuen. Kritisch wird es erst dann, wenn wir vor lauter Stolz zu schweben beginnen und meinen, uns über die anderen erheben zu müssen.

3 Tipps für Dein persönliches Innehalten:

1. Versuche auch den ungeliebten Pflichten einen gewissen Reiz abzugewinnen. Du kannst es eh nicht ändern: Sie müssen gemacht werden. Warum also nicht auch ihnen den nötigen Respekt entgegenbringen – vor allem durch das anschließende Innehalten und Wertschätzen?
2. Erschaffe was Dir liegt und dann halte inne und erkenne an, erfreue Dich daran, belohne Dich vielleicht. Und erst dann geht’s weiter!
3. Stoppe den Schaffensprozess auch mal mittendrin! Das eröffnet mehr Raum, Abstand, eine neue Perspektive und einen kreativeren Geist. Und möglicherweise fördert das Innehalten eine Abkürzung oder einen anderen spannenden Weg zutage?!

Rick Hanson schreibt in „Just 1 Thing – So entwickeln Sie das Gehirn eines Buddha“: „Mach viele kleine Pausen – Tritt viele Male am Tag für mindestens ein paar Sekunden aus dem Strom des Tuns […]“

 

 

Innehalten

 

 

Silke praktiziert seit vielen Jahren Yoga und unterrichtet mit großer Leidenschaft den Vinyasa Flow-Stil (www.yogasphere.de). Verwurzelt im Tanz, kreiert sie immer wieder Yoga Music-Flows für Specials, frei nach dem Motto „Let it flow & breathe to the beat!“. Außerdem gibt sie Thai Yoga MassageIhre Liebe zur Sprache und zum Yoga verbindet sie auf ihrem Blog für Yoga und Lebensfreude „Lebensflow“ (www.lebensflow.de). Darüber hinaus ist sie Autorin für Happy Mind Magazine (www.happymindmagazine.de) und UNIT Yoga-Blog (www.unit-yoga-blog)

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One Response to Von der Kunst des Innehaltens

  1. Liebe Silke,

    Ein sehr schön geschriebener Blog Beitrag.

    Das stimmt absolut, sehr oft wird das Innehalten vernachlässigt und wir sind nur am tun statt einfach mal zu sein.

    Danke für Deine Erinnerung

    Namasté
    und Herzens Grüße
    von Yogalehrerin zu Yogalehrerin 🙂

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